Pfarrhof Eggendorf

St. Afra | Eggendorf im Thale

Das Leichte und das Schwere

Ausgangslage
Vom ehemaligen Pfarrhof abgeschirmt, lag die Wehrkirche von Eggendorf /Thale (11.Jhdt.) am westlichen Ortsrand, außerhalb des Dorfangers, ohne räumliche Verbindung zum Zentrum. Die südliche Hälfte des ehemaligen Pfarrhofes wurde verkauft; auf der nördlichen Hälfte, direkt am Dorfanger, sollte das neue Pfarrheim entstehen.

Der Entwurf
Das Konzept der Architekten sah jedoch vor, das neue Pfarrheim nicht an vorderster Linie zum Dorfanger zu errichten, sondern es um ca. 25 m zurückzuversetzen, sodass davor ein öffentlicher Dorfraum entsteht - der ‚neue Kirchplatz’. Dieser neue Kirchplatz wird von der historischen Wehrkirche im Norden, der Volksschule im Osten und dem neuen Pfarrheim im Westen umrahmt und steht über ein ‚Nadelöhr’ mit dem Dorfanger in Verbindung. Kirchplatz und Dorfanger bilden somit die Pole eines ausgewogenen beruhigten dörflichen Ortszentrums, mit dem Glück, durch eine Umgehungsstraße von der Last des Durchgangsverkehrs befreit zu sein.

Bautypologie
Das neue Pfarrheim geht zunächst von einer simplen Satteldach-Typologie aus, welche jedoch gemäß der örtlichen Gegebenheiten subtil adaptiert wird – durchaus mit Bezug auf die regionale Baukultur des Wein-viertels. Die Längsseiten werden im Grundriss ab der Mitte leicht eingeknickt, die Fassadenflucht rückt  mit den angrenzenden Bestandsbauten bzw. Blickachsen in eine Linie. Das Dach wird im Mittelbereich zur Gaube aufgekippt, sodass die Wehrkirche und deren Kirchturm im permanenten Blickkontakt mit dem neuen Pfarrsaal stehen. Die kirchenzugewandte, stirnseitige Fassade wird aufgedreht, sodass ein ‚Spion-fenster‘ aus der Kanzlei den Blick in den Westen ermöglicht - auf den Zugang vom Hauptportal der Kirche. Durch die leichten Knicke und den konstruktiven Holzbau entsteht die Wirkung eines schiffsartigen Volumens -  einer ‚Arche‘.

Erscheinungsbild
Optisch bleibt das Pfarrheim im sandig-braunen Farbspektrum und reiht sich in das neue Ensemble von Wehrkirche, Volksschule und ehemaligen Pfarrhof ein. Es werden  Elemente des Kirchenbaus (Türhöhen,  Fenster, etc.) zitiert, ohne diese jedoch zu imitieren. Innenräumlich herrschen beige Farbtöne und Materi-alien vor (Industrieparkett, Eiche, Solnhofner Stein, Farbe RAL 1015), um den homogenen Gesamtcharakter des Pfarrheimes zu unterstreichen. Durch die zusammenhängende Untersicht des Daches, gleischsam eines umgedrehten Schiffsrumpfes, entsteht ein großzügiges, fließendes Innenraumgefühl, die 250 cm Höhe massiven und darüber verglasten Wände gliedern den Raum in unterschiedlich große Nutzungsbereiche.

Funktionsbereiche
Das Pfarrheim teilt sich einerseits in den großen Pfarrsaal und andererseits in die Gebäudehälfte mit Foyer, Büro, Küche und Nebenräumen, etc. Der Saal öffnet sich großzügig zum Kirchplatz und zum dahinterliegenden Pfarrgarten. Die Küche liegt an der Schnittstelle und kann zum Saal, Foyer und Garten geöffnet werden.

Konstruktionsweise / Materialien
Holz-Riegelbauweise, halbvorgefertigt, auf Fundamentplatte, Außenwand und Dach mit Zellulose gedämmt. Zinkdach, Mineralputz, Innendispersion auf Gipskartonplatten.

Ressourcenschonende Gebäudetechnik
Mit der Platzneugestaltung wurden in 1,1 m Tiefe 400 m²  bzw. ca. 1.000 lfm. Wärmekollektoren verlegt, die über eine Wärmepumpe mit der Fußbodenheizung des Gebäudes in Verbindung steht und welche das Gebäude weitestgehend Wärmeenergie-autark machen.


Nutzfläche
: 195 m² Nettobaukosten: 360.000 €
Baujahr: 2009-2010
Bauherr/Auftraggeber: Pfarre Eggendorf im Thale / Stift Schotten Wien / Erzdiözese Wien
Architektur/ÖBA: Johannes Kraus, Michael Lawugger