Pfarrhof Falkenstein

Neuer Pfarrhof Falkenstein

Konzept | Kontext
Das für den neuen Pfarrhof vorgesehene Grundstück liegt am Jakobsweg am Fuße der Kirchenstiege und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gebäude mit Volksschule und Kindergarten. Nach Osten und Süden bietet sich ein herrlicher Blick über den Ort Falkenstein und dem dahinterliegenden Panorama des Weinviertels. Nach Norden bestimmt der alte festungsartige  Pfarrhof und der Kalvarienberg die Silhouette. Das Grundstück selbst weist einen Höhenunterschied von 3 m auf.

Die exponierte  und hochgelegene Barockfront der Kirche mit dem seitlichen Kirchturm bildet die weithin sichtbare Raumdominante von Falkenstein, gerahmt von mächtigen Kastanienbäumen. Aus weiterer Entfernung taucht im Hintergrund die Burg Falkenstein auf, die das fernräumliche Landmark von Falkenstein bildet.

Falkenstein ist ein sehr kompakter und durch die Topografie geprägter  Ort. Im Ort aber auch innerhalb der Gebäude bilden Rampen und Treppen ein wiederkehrendes Thema.
Unter dem Grundstück verläuft parallel zur Straße ein mit  ca . 3 m Erdüberschüttung altes Kellergewölbe.

Potenzial
Anspruch an den  neuen Pfarrhof ist es, die Einzigartigkeit des Ortes und dessen Lage zu unterstreichen und erlebbar zu machen.
Der neue Pfarrhof wird als Begleit- oder Lotsenschiff der Kirche konzipiert. Daher ist der direkte räumliche und optische Bezug zwischen Pfarrhof und Kirche wichtig.  

Die Architektur des neuen Pfarrhofes wird von einer einladenden Geste bestimmt – ein Vordach lässt den Innenraum fließend in den Außenraum übergehen.  Leicht abgerückt von der Straße, entsteht zwischen Kirchenstiege, neuem Pfarrhof und Volksschule ein kleiner, durch das Vordach  wettergeschützter Platz - geeignet  zum Verweilen vor und nach dem Kirchgang oder bei Veranstaltungen im  Pfarrhof. Das Vordach begleitet den Besucher bis zum Eingang.

Die Räume des  Pfarrhofes liegen auf dem  Straßenniveau und sind daher alle barrierefrei  nutzbar.
Im Sinne des Dorfangers mit geschlossener Bauweise wird durch das neue Pfarrgebäude eine ehemalige Lücke geschlossen, das Gebäude dockt an die Straße an.

Maßstab
Der neue Pfarrhof entspricht in seiner Längsausdehnung der Höhe des Kirchturms bzw. der Länge des Kirchenschiffes (ca. 33 m), greift daher bestehende Größen auf.

Synergie
Da sich die Nutzungszeiten des Kindergartens bzw. der Volksschule kaum mit den Nutzungszeiten des Gartens des Pfarrgartens überlappen, schlagen die Verfasser bezügl. der  Neugestaltung der Außenanlagen  vor, die bastionartige  Freifläche der Volksschule aufzulösen und mit dem neuen Pfarrgarten zusammenzufassen, sodass ein differenzierter, terrassenartiger Grünbereich entsteht, der zum Verweilen und Spielen einlädt und von dem man ein herrliches Panorama genießen kann.

Eine rollstuhlgerechte Außenrampe führt von der Straße auf das untere Gartenniveau (für Pfarrfest, Lagerfeuer, etc.) hinunter.
Während der Öffnungszeiten der Volksschule und des Kindergartens kann der Garten versperrt werden

Weitere Synergien könnten sich neben der gemeinsamen  Nutzung des Freiraums auch in der Nutzung der Energiequelle (Wärmekollektoren) ergeben, da sich die Öffnungszeiten von Pfarrhof und Kindergarten bzw. Volksschule  kaum überlappen und daher die Haustechnik nur auf die Kapazität einer Nutzungseinheit ausgelegt werden müsste.

Ressourcenschonende Technik
Durch die komplette Neugestaltung der Außenanlagen mit umfangreichen Terrainveränderungen bietet sich hier die Verlegung von Wärmekollektoren auf ca. 1 m unter projektiertem Niveau  an – es entstehen keine Mehrkosten für die erforderlichen Erdarbeiten – um die  Erdwärme als zentrale Energiequelle zu nutzen  (siehe Pfarrhof Eggendorf - hierfür bestehen zusätzlich  unterschiedliche Förderungsmöglichkeiten durch das Land NÖ).

Organisation des Raumprogramms
Der große Pfarrsaal liegt kirchenseitig und steht in direkter Verbindung  zum Vorplatz.
Das Foyer dockt seitlich an das Gebäude an und erschließt großen und  kleinen Saal, Küche, Sanitärgruppe und Kanzlei mit Archiv. Die beiden Säle können zusammengefasst werden. Von der Küche aus kann der kleine Saal bedient werden.  Durch die Dachneigung parallel zum Berghang steigern sich die Raumhöhen zum Großen Pfarrsaal.
Von den Sälen als auch vom Foyer besteht ein permanenter Blickkontakt zur Kirchenstiege bzw. zur Kirche.
(Die Räume können durch innenliegende Vorhänge abgeschirmt werden.)

Das Foyer , auch Aufenthalts- und Pausenbereich bietet  einen  Blickkontakt auf den Garten und auf die Dachlandschaft von Falkenstein.

Unter der östlichen Gebäudeende befindet sich eine wettergeschützter Außenzone auf Gartenniveau, hier können Gartengeräte, Biertische und Bänke gelagert werden. Die Haustechnikzentrale befindet sich ebenfalls in diesem Bereich.

Fläche: 260 m2 Nutzfläche / Bruttofläche: m2
Baukosten: 520.000 €
Baujahr: 2014-2016
Bauherr/Auftraggeber: Erzdiözese Wien / Pfarre Falkenstein
Generalplaner: Johannes Kraus
Team: Johannes Kraus, Nikolaus Michel, Vera Kaps, Maria Groiss