Pirquetschule

Volkschule Wien 22.

Die Schule ist ein Nest

Der Baukörper der neuen Volksschule bildet ein eigenständiges Volumen um ein streng rektanguläres Raumgerüst, welches sich um die zentralen Freiräume entwickelt und so eine klare Erschließung und Orientierung ermöglicht.

Die Kinder erleben die Volksschule als ‚geschützte Sphäre’, als Verortung ihrer Sozialisierung  – so soll auch der Baukörper stark geerdet sein - selbstverständlich und unaufgeregt. Es werden primär erdige, warme Farben verwendet sowie robuste, natürliche und authentische Materialien – von langlebiger und haptischer Qualität: Sichtziegel, Parkett, Sichtbeton.

4 bzw. 5 Klassen sind zu einem ‚Klassenverband‘ zu einem sog. ‚Klassen-Cluster‘ in jeweils eigener Kennfarbe und Gruppenräumen, Kommunikationsflächen, Freiflächen und eigener Sanitärgruppe, zusammengefasst.

Jede Klasse wiederum hat ihren eigenen Garderoben-, Lern- und Außenbereich.

Höfe, Patios, Rücksprünge und abgestufte Volumina bieten ein sehr differenziertes Raumerlebnis und spannende Raumfolgen unterschiedlicher Raumgrößen. Es werden im und um das Schulgebäude spezifische Rückzugsorte, Ruhe-, Kommunikationszonen und Aktivbereiche geschaffen.

Mit ein- bis dreigeschossigen Bauteilen reagiert das Schulgebäude auf den stadträumlichen Kontext:  Zu den benachbarten Wohnscheiben steigt das Volumen auf drei Geschosse an - nach Westen zu den Einfamilien-Häusern stuft sich der Schulbau zu eingeschossigen Bauteilen ab und vermittelt so zwischen den angrenzenden Bauhöhen. Das Erscheinungsbild des Schul-Neubaus wird von einer horizontalen geschosshohen Gliederung, die sich aus den Balkonen, Fensterbänder  oder Sonnenschutzelementen ergeben, bestimmt. Um das Angebot an Bewegungs- und Grünraum zu vergrößern, werden auch die Dachflächen ‚aktiviert‘: im 1. OG befinden sich zwei Freiklassen und eine große Bibliotheksterrasse. Von dem Erschließungskorridor der Fachklassen im DG sind eine große beschattete Terrasse, die Dachgärten und ein großer Bewegungsbereich und Ballspielkäfig erreichbar.

Die Aula bildet die Mitte der Schule und den Knotenpunkt aller Wege.

Um die Aula ist die Turnhalle im UG, der Speisesaal im EG  und die Bibliothek, der Lehrer- und Direktionsbereich sowie das Arztzimmer im 1. OG angeordnet. Peripher zur Aula liegt das Haupttreppenhaus mit internem Lift, welcher alle Ebenen erschließt.

Der Turnsaal im Untergeschoss ist als Veranstaltungssaal für 180 Personen ausgelegt,  kann über einen separaten Zugang erschlossen und außerhalb des Schulbetriebes genutzt werden.

Das Gebäude ist mit einem innovativen ökologischen und ökonomischen Konzept im Bereich der Haustechnik ausgestattet.

Wärmeverteilung
Als Wärmeverteilung dienen eine Fußbodenheizung und eine rasch reagierende Deckenrandzonenheizung, die bedarfsabhängig die Raumtemperatur regelt. Die wesentlichsten Vorteile sind die gesunde Strahlungsheizung, reduzierte Raumlufttemperaturen bei gleicher Behaglichkeit aber auch die Vermeidung der Verletzungsgefahr wie bei Heizkörpern gegeben und kein Risiko von Vandalismus, da die Wärmeverteilung unsichtbar bleibt. Die Wärmeverteilung erfolgt effizienter als bei konvektiven Systemen.

Lüftung
Eine mechanische Lüftung wird in allen Klassen installiert. Durch die Verwendung von Quellluftauslässen kann die Luftmenge bedarfsabhängig geregelt werden mit einer gleichbleibend hohen Lüftungseffektivität einer Verdrängungslüftung. Es kann so während einer Unterrichtseinheit eine „gute Luft für gute Schüler“ garantiert werden. Die Fenster bleiben öffenbar und ermöglichen Stoßlüftungen in den Pausen. Die Lüftungsanlagen sind natürlich mit einer Feuchte- und Wärmerückgewinnung ausgestattet um die Wärmeverluste im Winter deutlich zu reduzieren und die Feuchte auch im Winter nicht unter die Behaglichkeitsgrenze fallen zu lassen.
 
Johannes Kraus / ARGE archipel architekten
 
 
Fläche: 6512 m2 Nutzfläche / Bruttofläche:  9.159 m2
Baukosten: 13,5 Mio
Baujahr: 2015-2016
Bauherr/Auftraggeber: MA 56 / MA 19 in Vertretung der Stadt Wien
Generalplaner: ARGE archipel